documenta 15 - so war's
- Kai Brückner
- 19. Juli 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Juli 2022
Zunächst einmal darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Geschäftsführerin der documenta GmbH zurückgetreten ist (oder wurde) gleich nachdem wir in Kassel waren. Vielleicht war es nur eine zufällige Gleichzeitigkeit von Ereignissen, aber es kann natürlich sein, dass es auch an unseren kritischen/polemischen/sarkastischen Kommentaren lag, die wir entlang des diesmal langen Parcours fallen ließen.
Meine Vermutung: die Künstler haben sich für das Publikum nie wirklich interessiert. Ich versuche mal aus Versatzstücken die Absicht der Kuratoren zu ermitteln. Kurz gesagt, soll der PROZESS und nicht das ERGEBNIS (also ein Kunstwerk) das Ziel sein. Das ist natürlich schön für den Künstler (vielleicht). Aber für einen Besucher, der zwei oder drei Tage dort ist, bleibt das sehr unbefriedigend. Denn die einzige Alternative ist ein Aufenthalt in Kassel von 100 Tagen. Das aber will niemand aus ästhetischen oder finanziellen Gründen.
Er trat also ein, was vorab zu lesen war. Mal hinreisen und sich die Highlights gönnen, ist diesmal nicht drin.
Aber um ehrlich zu sein, war es nicht so schlimm wie befürchtet und es war sogar "richtige" Kunst ausgestellt.
Aber eben nur wenig. Im Fridericianum (DIE Haupthalle der documenta) war das Wohnzimmer der Künstler und ein Kindergarten untergebracht. Sicher sehr progressiv und innovativ aber eben doch nur blöd. Nebenstehendes Bild übrigens ist der documenta aus dem Jahr 1982 entnommen. Es entstand einfach eine Sehnsucht nach der "alten" Zeit.
Hier ein paar Sachen, die ich gut fand:

Auf der Karlswiese eine aus Stoffballen errichtete Halle. Die Stoffballen sind unsere Stoffabfälle, die wir (in guter Absicht) als Alt-Kleider in die Welt schicken. Und die dort "in der Welt" eigentlich nur Unheil anrichten und die heimische Textilindustrie zerstören.
Genauso wie unsere Alt-Plastik Exporte.

Werke von Künstlern aus Haiti, die Skulpturen mit Anklang an Vodoo Zauber in einer ehemalischen christliche katholischen Kirche ausstellten. Ein eindrucksvolle Kombination. Und immer auch ein Hinweis auf die schwierigen Lebensumstände auf der Insel.

Ein rumänischer Künstler mit einer "Bodenzeitung" vor dem Kulturbahnhof - mit regelmäßigem update während der documenta.

Hier nun Bilder, die denen Futter liefern könnten, die etwas Antisemitisches gefunden haben meinten. Für mich ein Kritik am Vorgehen des Staates Israel. Aber nicht mehr.

Und zum Abschluss noch die Künstlergruppe, deren dann entferntes Kunstwerk als eindeutige antisemitisch erkannt wurde und kurz nach dem Aufstellen sofort wieder demontiert wurde. Also schon weg als wir kamen.
Eine ganze Halle ( = altes Schwimmbad) wurde der Gruppe gewidmet - voller indonesicher Agitprop Bilder. Geschmackssache. Mein Geschmack war es nicht.
Aber darüber diskutiert die Welt nun.


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