Marktbeobachtung
- Kai Brückner
- 24. Juni 2022
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Juli 2022

Schon Goethe war hier. Wird erzählt. Glaube ich jetzt einfach. Ist doch eine schöne Geschichte.
"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrthe still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl? Dahin! Dahin!"
Dahin heißt in meinem Fall Limone und in dem Fall ist wirklich nomen das omen.
Dort findet sich eine gebührenpflichtig zu besichtigende Zitronenplantage. Limoncello wird nahezu überall verkauft. Und alle Souvenirs sehen aus wie Zitronen.
Wie jede anerkannte italienische Ortschaft hat auch
Limone einen Wochenmarkt. In früheren Tagen war in meiner Erinnerung ein italienischer Markt auch ein Ort, an dem man Lebensmittel für die spätere Zubereitung erwerben konnte. Und natürlich Haushaltsartikel aller Art. Aber Dinge ändern sich. Bedingt durch eine mehrjährige Abwesenheit habe ich offensichtlich maßgebliche Entwicklungen nicht mitbekommen. Heute prägt das Bild solcher Märkte die DOB , die Damenoberbekleidung. Warum es kaum Herrenartikel gibt, muss Objekt von Spekulationen bleiben. Da gibt es die Fraktion "Mein Hemd ist kaum 10 Jahre, praktisch neu und immer noch schick." Warum also was Neues kaufen. Oder: "So eines habe ich schon zu Hause." Oder: "Das gibt es anderswo bestimmt billiger". Egal, jedenfalls hat der Markt reagiert und sein Angebot für diese Käuferschicht deutlich reduziert. Also folgt der Herr der Dame seines Herzen im gebotenen Abstand in einer Geschwindigkeit gemessen an Marktständen pro Stunde , also 1.
Da hat man dann Zeit das Publikum zu beobachten. Es ist wenig überraschend, dass im Frühsommer am Gardasee ein durchaus prägender Anteil von Deutschen da ist. Und was soll ich sagen: manche deutschen Landsleute fallen immer noch unter die Kategorie, die vor vielen Jahren schon als "ugly German" galt. Leider. Traurig.
Offensichtlich hält die Fresswelle, die nach dem Krieg begann, immer noch an, denn es scheint beinahe nur schwangere Männer zu geben. Schwanger im 9. Monat. Gerne auch fest überspannt von einem bunten Hemd (, das bekanntlich Jürgen von der Lippe salonfähig gemacht hat.) Strohhüte, die ein wenig Lokalkolorit ausstrahlen sollen , wenn auch chinesisches.
Immer noch die eigentlich der verdienten Ausrottung zugedachten Sandalen mit Socken. Gerne inzwischen auch wieder eine kleine Tasche dazu, die mir aus einer vergangenen Zeit als "Buko" (Beischlaf-Utensilien-Koffer) bekannt war und auch deren Aussterben war für mich schon Tatsache. Heute allerdings bedingt durch das Wachstum von Smartphones, kommen sie wieder. Denn wer kann ein normales handelsübliches Gerät noch in irgendeiner Tasche einer Hose unterbringen, ohne um Gerät oder den eigenen Körper zu bangen.
Nun, ich weiß: zeigt man mit dem Finger auf einen anderen dann zeigen 4 Finger auf einen selbst. Nein, keiner ist frei von Makel. Aber , mein Gott, man muss das doch mal sagen.
Einige Zeit später las ich in der SZ einen Artikel über den Gardasee. In dem fand ich den Ausspruch: "Die Deutschen lieben Italien, aber sie schätzen es nicht. Die Italiener schätzen die Deutschen, aber sie lieben sie nicht." So isses wohl.
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