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Über dem Gesetz

  • Kai Brückner
  • 24. Juni 2022
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juli 2022


Das, worüber jetzt zu berichten ist, könnte Teil des Jurastudiums sein, ist es aber nicht.

Es geht um einen Knopf. Also etwas richtig Physisches zum Anfassen. Und zum Drücken.

Ein Knopf mit Magie. Mit außerordentlichen Fähigkeiten. Und doch so einfach zu bedienen.


Es ist der "Ich-stehe-über-dem-Gesetz"- Knopf.

Sehr praktisch und in seiner Anwendung außerordentlich vielseitig.


Gibt es eine Situation, in der das Einhalten von Regeln und Normen lästig oder beschwerlich ist oder der eigene Vorteil bedroht ist, dann - klick- bediene man den magischen Knopf und alles hat wieder seine Ordnung.


Ich spreche von der Warnblinkanlage.


Halten in zweiter Reihe im fließenden Verkehr vor dem Bäcker? Kein Problem: Warnblinker an, aussteigen und einkaufen gehen. Der Warnblinker macht es legal.

Parken auf dem Bürgersteig, weil die nächste Parklücke zu weit weg ist? Einfach alle Viere blinken lassen, dann passt es schon.

Einen Weg nehmen, der einem schönen blauen Schild folgend nur für Fußgänger ist? Genau, ihr wisst, was zu tun ist.


Schuldbewusstsein? Nein, denn "ich habe doch die Warnblinkanlage an."


Jetzt ist es an der Zeit, diesen Mechanismus in noch weitere Teile des Lebens zu tragen.

Ein paar Vorbilder gibt es natürlich schon.

Stehen bedauernswerte Politiker im Kreuzverhör eines Untersuchungsausschusses und drohen sich um den berühmten Kopf-und-Kragen zu reden, dann hilft nur : "Daran kann ich mich nicht mehr erinnern."


Der Fußballer, der grade mit einer Blutgrätsche seinem Kontrahenten den orthopädischen Todesstoß verpassen wollte hat sogar zwei Möglichkeiten:

zum einen kann er eine komplette Unschuldsmiene aufsetzen (Variante Giorgio Chiellini). Oder er formt mit beiden Händen die Umrisse einer Kugel, die den Ball darstellen soll. Darüber die Gedankenblase: ich habe doch nur den Ball gespielt. "Ball" kann dann -je nach Erfordernis"- jeder Teil des menschlichen Körpers unterhalb des Kreuzbein sein. Offensichtlich gelogen, aber die Legalität herstellend.


Im normalen Büroalltag reicht schon ein: "Die e-mail habe ich nie bekommen."


Aber seien wir mal ehrlich: so schön und elegant wie mit der Warnblinkanlage geht's eigentlich anders nicht.




 
 
 

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